Naja, zumindest schreibt die Welt über Altona. In der Ausgabe vom 13. Februar hat Volker Stahl einen richtig langen Artikel über das AFC Museum verfasst.
Für alle faulen Leute haben wir den Artikel mal zu uns kopiert...
An der Elbchaussee lebt die Geschichte von Altona 93 wieder auf
Der Präsident Dirk Barthel hat in seinem Haus ein Fußball-Museum eingerichtet. Etliche Pokale und Dokumente aus mehr als 100 Jahren sind nun dort zu sehen. Am Endspielort von 1903 soll demnächst auch ein Denkmal errichtet werden.
Von Volker Stahl
Eine Erkenntnis des Philosophen Jean Jaurès hat sich mittlerweile im Hamburger Fußball durchgesetzt: "Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme."
Nach dem HSV hat der Oberligist Altona 93 ein Fußballmuseum eröffnet. Außerdem soll auf Anregung des Bürgerschaftsabgeordneten Andreas C. Wankum (CDU) bald ein Denkmal an den Endspielort um die erste Deutsche Meisterschaft 1903 in Altona erinnern.
Jahrelang verstaubten Pokale, Vereinswimpel und Bilder aus der glorreichen Geschichte des 1893 gegründeten Altonaer Fußball-Clubs (AFC) in der Geschäftsstelle an der Griegstraße.
Dazu stapelten sich Mengen an Papier, wie Vereinsmagazine, Zeitungsausschnitte und vergilbte Fotos im Büro von Jürgen Kuntze-Braack. Was der umtriebige AFC-Archivar nicht in den Schubladen und auf den Schränken unterbringen konnte, lagerte er in der Garage.
"Als ich das Material dort sah, sagte ich: ,Das und die Pokale müssen wir unbedingt an einen Ort zusammentragen"", sagt Dirk Barthel, Vorsitzender des Traditionsvereins.
Gesagt, getan - als in Barthels Haus an der Elbchaussee 14 ein bis dato als Möbelboutique vermieteter Laden frei wurde, stand sein Entschluss fest: "Hier kommt ein Museum mit angeschlossenem Fanshop hinein."
Neben aktuellen Trikots, Caps und Schals sollen zahlreiche Exponate aus der Vereinsgeschichte und Veranstaltungen wie Lesungen, Autogrammstunden und Gesprächsrunden das Fußball-Publikum locken. Dokumente aus der Vereinsgeschichte sowie zahlreiche Memorabilien sind hier zu sehen: Auszeichnungen und Medaillen des bedeutendsten AFCers Adolf Jäger (1889-1944), dem ersten Star des deutschen Fußballs.
Ferner Spielerpässe, alte Eintrittskarten, Plakate und Stadionhefte sowie Leihgaben ehemaliger Größen wie Heiko Kurth oder Werner Erb. Der "Tor-Knipser" der Fünfzigerjahre hat eine Einladung von Bundestrainer Sepp Herberger zu einem Länderspiel gegen Irland beigesteuert, das 1955 in Hamburg stattfand. Erb saß auf der Bank. Als er nicht, wie versprochen, in der zweiten Halbzeit zum Einsatz kam, packte er seine Sporttasche, verabschiedete sich vom "Bundes-Sepp" mit dem berühmten Götz-von-Berlichingen-Zitat und fuhr nach Hause.
Diese und andere Begebenheiten sind auf Schautafeln nachzulesen, die Stephan Spiegelberg verfasst hat. "Wir wollen aber vor allem versuchen, die Geschichte mit dem Schwerpunkt der Anfangszeit des AFC zu skizzieren", sagt der Historiker, der auch Ausstellungen im HSV-Museum mitgestaltet hat.
Das AFC-Museum ist donnerstags und freitags jeweils von 16 bis 20 Uhr und sonnabends von zehn bis 13 Uhr geöffnet.
In der Dokumentation fehlen auch die skurrilen Begebenheiten rund um das erste Endspiel zur Deutschen Fußballmeisterschaft nicht. Am 31. Mai 1903 standen sich auf der zwischen Bahrenfeld und Langenfelde gelegenen Exerzierweide der Deutsche Fußball-Club Prag und der VfB Leipzig gegenüber. Die Sachsen gewannen mit 7:2, Ausrichter war der im Halbfinale gescheiterte Altonaer Fußball-Club von 1893.
Das Spielfeld war durch besenstielartige Taue abgesperrt, der Strafraumund die Spielfeldbegrenzungen waren mit Sägemehl markiert.Schiedsrichter Franz Behr, damals auch als Spieler und Multifunktionärdes AFC aktiv, reichte einen Teller herum, auf dem das Eintrittsgeldder Zuschauer gesammelt wurde. Die Umkleidekabinen befanden sich in derbenachbarten Erfrischungshalle.
Als die Mannschaften endlich den Rasenbetraten, fehlte nicht nur eine imposante Kulisse, sondern zunächstauch der Ball.
1918 musste der Platz Kleingärten weichen, später siedelte sich Gewerbe an.Der Endspielort gilt Fußballhistorikern als frühes Mekka des Hamburger Fußballs. Auf Initiative von Andreas C. Wankum soll ein Denkmal an denlegendenumwobenen Platz erinnern. "Am Anfang hat man mich für verrückterklärt", sagt Wankum, "bald wurde ich von immer mehr Leutenunterstützt."
Die Idee kam Wankum in seiner zweiten Heimat Atlanta:"Dort stehen vor dem Olympiastadion viele Denkmale, vor allem fürverdiente Spieler." Also brachte Wankum den Antrag, Denkmale anbedeutenden Orten der Hamburger Fußballgeschichte aufzustellen, in dieBürgerschaft ein.
Die ersten beiden Kunstwerke sollen 2007 am alten HSV-Stadion am Rothenbaum ("Nichts erinnert heute an das Stadion") und am Endspielort von 1903 errichtet werden. Der befindet sich zwischen den Straßen Rondenbarg und Marlowring in einem Gewerbegebiet. Eine Jury wird über das Denkmal entscheiden.
Dem Gremium gehören Vertreter aus Kunst und Fußball an, darunter Blue-Goal-Erfinder Michael Batz, HSV-Museums-Chef Dirk Mansen, AFC-Vorsitzender Barthel, Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell, Claus Friede vom Sender Hamburg 1 und die Künstlerin Vineeta Oertel-Kaltz, die Frau von Ex-HSV-Profi Manfred Kaltz.